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Albert Camus
Kurzbiographie:
Französischer Erzähler und Dramatiker. Sein Ausgangspunkt ist das Absurde, die Sinnlosigkeit des auf sich zurückgeworfenen menschlichen Daseins. Entwickelte einen Existenzialismus mit tief humaner Note.
Albert Camus wurde am 7. November 1913 in Mondovi, Algerien, geboren und starb am 4. Januar 1960 bei einem Autounfall nahe Villeblevin in Frankreich. Er stammte aus einer Arbeiterfamilie. Das Philosophiestudium in Algier bestritt er als Werkstudent. 1936 gründete er eine Theatergruppe. Während der deutschen Besetzung war Camus Lehrer in Oran; Mitglied der Résistence; Mitbegründer des "Combat" und nach dem Krieg Verlagsleiter bei Gallimard. 1957 erhielt Albert Camus den Literaturnobelpreis.
Der Fremde (Roman, 1942), Der Mythos von Sisyphos (1942), Die Pest (Roman, 1947), Der Mensch in der Revolte (1951), Der Fall (Roman, 1956), Der glückliche Tod (Roman, 1938/1971), Der erste Mensch (Roman, 1960/1994), Dramen und Erzählungen.
Der erste Roman Camus', den ich las, war Der Fall, was auf einen zufälligen Griff in ein Regal einer Buchhandlung zurückzuführen ist; doch eigentlich spielt dies keine Rolle. Es spielt meiner Meinung nach keine Rolle, da alle Romane aus Camus' Feder unweigerlich phaszinieren, phaszinieren müssen, obwohl sie sowohl das Thema betreffend als auch in Ton und Stimmung so verschieden sind wie die extremen Facetten des Lebens. Daher wäre jeder seiner Romane für mich wohl ein ebensoguter Einstieg gewesen; ich habe auch noch keine camussche Lektüre abgeschlossen, ohne diese wiederholen zu wollen. Camus zu lesen verkürzt also nicht diese verfluchte und gesegnete persönliche Liste der Titel, die einmal gelesen werden wollen, aber die Collage unserer Erfahrungen wird in der nutzlosen persönlichen Liste bereits gelesener Titel reichhaltig beschenkt....
Darf ich es wagen, Monsieur, Ihnen meine Dienste anzubieten, ohne Ihnen lästig zu fallen? Ich befürchte sehr, daß Sie sich dem ehrenwerten, über den Geschicken des Etablissements waltenden Gorilla nicht werden verständlich machen können. Er spricht nämlich nur Holländisch. Sofern Sie mich nicht ermächtigen, Ihre Sache zu vertreten, wird er denn auch nie erraten, daß Sie einen Wacholder wünschen. [...] Sie haben recht, seine Einsilbigkeit ist geradezu ohrenbetäubend. Sie gemahnt an das pralle Schweigen des Urwalds. Ich wundere mich bisweilen darüber, wie hartnäckig unser wortkarger Freund es verschmäht, sich der Sprachen der zivilisierten Menschheit zu bedienen. Besteht doch sein Beruf darin, in dieser, übrigens aus unerfindlichen Gründen Mexico--City getauften, Amsterdamer Kneipe Seeleute aus aller Herren Ländern zu bedienen. [...]
Wohlgemerkt, ich richte ihn nicht. Ich betrachte sein Mißtrauen als begründet und würde es gerne teilen, stünde dem nicht, wie Sie sehen, meine mitteilsame Natur im Wege. Ich bin leider ein redseliger Mensch und schließe leicht Freundschaft, wobei mir, obwohl ich den gehörigen Abstand zu wahren weiß, jede Gelegenheit recht ist. [...] Sie wollen schon aufbrechen? Verzeihen Sie, wenn ich Sie aufgehalten haben sollte. Mit Ihrer gütigen Erlaubnis lassen Sie die Zeche meine Sache sein. Im Mexico--City sind Sie mein Gast, es war mir eine ganz besondere Freude, Sie hier empfangen zu dürfen. Morgen bin ich bestimmt wieder hier anzutreffen, wie übrigens jeden Abend, und dann werde ich Ihrer Einladung gerne Folge leisten. Welchen Weg Sie einschlagen müssen?...Nun...Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich Sie der Einfachheit halber bis zum Hafen begleitete? [...] Also bis morgen, Monsieur. Nein, jetzt können Sie den Weg nicht mehr verfehlen. Ich verabschiede mich bei dieser Brücke. Ich gehe nachts nie über eine Brücke. Ein Gelübde. Stellen Sie sich doch einmal vor, es stürzte sich einer ins Wasser. Dann stehen Ihnen zwei Möglichkeiten offen: entweder Sie springen nach, um ihn herauszufischen, was in der kalten Jahreszeit die denkbar schlimmsten Folgen für Sie haben kann! Oder aber Sie überlassen ihn seinem Schicksal, doch nach unterbliebenen Kopfsprüngen fühlt man sich manchmal seltsam zerschlagen. Gute Nacht! Wie bitte? Die Damen hinter jenen großen Scheiben? Ein Traum, Monsieur, der wohlfeile Traum, die Reise nach Indien! Diese Wesen parfümieren sich mit Spezereien. Man tritt ein, die Vorhänge werden zugezogen, die Fahrt beginnt. Die Götter steigen auf die nackten Leiber herab, und die Inseln treiben dahin, wahnergriffen, vom zersausten Haar windgeschüttelter Palmen gekrönt. Versuchen Sie es.
(Auszug aus Der Fall, deutsch von Guido G. Meister)
letzte Änderungen: 7.IV.2004
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