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Fjodor M. Dostojewskij

Kurzbiographie:

Fjodor Michailowitsch Dostojewskij wurde am 11. November 1821 in Moskau geboren. Er war Sohn eines despotischen Arztes aus verarmter Adelsfamilie, der 1839 durch leibeigene Bauern auf seinem Landgut ermordet wurde, verbrachte seine Jugendjahre vor allen Dingen in Moskau und besuchte dann die Militäringenieursschule in Sankt Petersburg; eine Anstellung im Ingenieursdepartement gab er allerdings bald auf. In den frühen Jahren seines Schaffens war er stark beeinflußt durch W.G. Belinski, der ihn für den atheistischen Sozialismus begeisterte. Sein erster Roman, "Arme Leute" (1946), der gegen die russische Tradition und dem Vorbild Gogols folgend im unteren Niveau der damaligen russischen Gesellschaft spielt, war sofort ein Erfolg. Wegen der Teilnahme an den Treffen des Petraschewskij-Kreises, einer dem utopischen Sozialismus anhängenden Gruppe, wurde Dostojewskij 1849 zum Tode verurteilt, allerdings kurz vor Vollstreckung des Urteils begnadigt und für vier Jahre zur Zwangsarbeit nach Sibirien geschickt! Dostojewskij beurteilte später Victor Hugos "Der letzte Tag eines Verurteilten" als einen der besten Romane der Literaturgeschichte, denn Hugo habe, inspririert allein durch den Anblick des Schafotts in seiner Jugend, diese Situation trefflicher und menschlicher zu schildern vermocht, als er selbst jemals in der Lage gewesen wäre, dies zu tun.

Die Jahre der Verbannung und Zwangsarbeit veränderten Dostojewskij und seine Literatur entscheidend. Er unternahm nun Reisen nach Miitteleuropa, die ihn enttäuuschten und seine politischen Ideen wandelten. Schulden verjagten ihn Jahrelang aus Rußland und zwangen ihn manchmal zu emsiger literarischer Arbeit, die ob der Not zwar doch noch von hohem Range ist, aber seinen herausragenden Werken keineswegs ebenbürtig; der zwischen dem 4. und dem 29. Oktober 1866 geschriebene Roman "Der Spieler" ist wohl das bekannteste Beispiel hierfür.

Als Dostojewskij 1871 endgültig nach Rußland zurückkehrte, hatte er eine genügende wirtschaftliche Unabhänggigkeit erreicht, trotz großer Erfolge begegnete das Gros der Kritiker ihm allerdings zeitlebens mit Unverständnis. Das herausstechende Merkmal der großen dostojewskijschen Romane sind seine Charaktere, die mit den von ihnen vertretenen Ideen völlig verwachsen, sozusagen verkörperte Ideen darstellen, aber dennoch ganz menschlich geschildert werden. Dostojewskij gelingt das Schaffen von Figuren, die dem Leser heute wie damals überspannt und übertrieben vorkommen müssen, und die doch, selbst in ihren Extremen, widerspiegeln, was ein jeder schon hin und wieder gedacht und erträumt hat, zumindest in Momenten zügelloser Phantasie.

Dostojewskijs Romane einzuordnen bereitet ob ihrer Weite eine gewisse Schwierigkeit; "Verbrechen und Strafe" beispielsweise erfüllt gut und gerne das Genre des Kriminalromans, auch "Die Brüder Karamasow"; beide sind aber weit mehr als dies. Der Begriff psychologischer Roman ist für diese beiden Werke auch genannt worden, trifft auch, aber umspannt sie nicht. Dostojewskijs große Romane ranken sich um die Frage, was der Mensch und was das Leben sei, er versucht das Innere des Menschen auszuloten, sei es die Macht und das Gewissen betreffend, wie in den gemannten beiden Büchern, sei es der gute Mensch wie im Roman "Der Idiot" oder sei es der Unterschied zwischen Gut und Böse" und die Rolle der politischen Idee in "Die Dämonen". Eine zentrale Idee sticht aus den großen Werken Dostojewskijs heraus: Nachdem er den mitteleuropäischen Idealen und der durch Peter den Großen ins Leben gerufenen Tradition ebenso abgeschworen hatte wie der Idee eines allgemeingültigen Sozialismus, glaubte er, daß der Mensch nur in der Religion und in der Überzeugung der Unsterblichkeit der Seele sein Heil finden könne, weil das Leben eines der Erkenntnis fähigen Wesens ohne diesen tief empfundenen Glaubens sinnlos sein müsse.

Am 9. Februar 1881 starb Fjodor Michailowitsch Dostojewskij in Petersburg.


Werke:

"Arme Leute" (Roman, 1846), "Der Doppelgänger" (Roman, 1846), "Herr Prochartschin" (Erzählung, 1846), "Ein Roman in neun Briefen" (Roman, 1847), "Die Wirtin" (Roman, 1847), "Weiße Nächte" (Erzählung, 1848), "Polsunkow" (Erzählung, 1848), "Tannenbaum und Hochzeit" (Erzählung, 1848), "Der ehrliche Dieb" (Erzählung, 1848), "Außer Dienst" (Erzählung, 1848), "Der eifersüchtige Gatte" (Erzählung, 1848), "Eine fremde Frau und der Ehemann unter dem Bett" (Erzählung, 1848), "Ein schwaches Herz" (Erzählung, 1848), "Netotschka Neswanowa" (Romanfragment, 1849), "Ein kleiner Held" (Erzählung, 1849), "Onkelchens Traum" (Erzählung, 1859), "Das Gut Stepantschikowo und seine Bewohner" (Roman, 1859), "Erniedrigte und Beleidigte" (Roman, 1861), "Aufzeichnungen aus einem Totenhaus" (Roman, 1861), "Eine dumme Geschichte" (Erzählung, 1862), "Winterliche Aufzeichnungen über sommerliche Eindrücke" (Reiseaufzeichnungen, 1863), "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch" (Erzählung, 1864), "Das Krokodil" (Erzählung, 1865), "Verbrechen und Strafe" (auch: "Schuld und Sühne" oder "Raskolnikow", Roman, 1866), "Der Spieler" (Roman, 1866), "Der Idiot" (Roman, 1868), "Der ewige Gatte" (Roman, 1870), "Die Dämonen" (beinhaltet das Kapitel "Bei Tichon", das auch als einzelne Erzählung verlegt ist, auch: "die Teufel", Roman, 1871), "Der Jüngling (Roman, 1875), "Die Brüder Karamasow" (beinhaltet den Abschnitt "Der Großinquisitor", das auch als einzelne Erzählung verlegt ist, Roman, 1878 - 1880), "Tagebuch eines Schriftstellers" (beinhaltet unter anderem die Erzählungen "Bobok" (1873), "Die Sanfte" (1876) und "Der Traum eines lächerlichen Menschen" (1877), Aufsätze und Feuilletons, 1873 - 1881).


Persönliche Leseerfahrung:

Zu Dostojewskij kam ich recht zu Anfang meines Lebens als {\em Leser}, womit ich nicht die Zeit meine, als ich lesen lernte, sondern die Zeit, als ich begann, freiwillig und mit stets und ständig wachsender Begeisterung Bücher zu lesen. 1993 lebte ich zwei Monate lang in Moskau, wo, wie wohl im ganzen Land, lesen quasi ein Volkssport ist. In jeder Warteschlange, in der Metro, ja sogar auf den Rolltreppen stehen die Menschen mit Büchern in der Hand. Reisen bedeutet für mich vor allen Dingen zu versuchen, die Menschen und ihr Leben in anderen Ländern kennenzulernen, und im Falle Rußlands gehörte wohl auch dazu, mal ein Buch zu lesen.

Recht zufällig kaufte ich an einem Straßenstand drei englische Ausgaben klassischer russischer Autoren, darunter Dostojewskijs "Verbrechen und Strafe". Ich las das Buch allerdings erst im Jahre 1999. Eigentlich wollte ich nur einmal hineinlesen, weil ich für eine Prüfung lernen mußte, doch dann konnte ich es einfach nicht mehr aus der Hand legen, tat drei Tage lang kaum etwas anderes als lesen und dabei teetrinken, und klappte den Roman danach begeistert zu.

Seitdem habe ich beinahe alle Werke Dostojewskijs gelesen, ohne daß meine Begeisterung abgenommen hätte; das wenige, was mir noch fehlt, steht schon hier im Regal und scheint beinahe ungeduldig herumzuzappeln. "Verbrechen und Strafe" habe ich wohl der Mehrzahl der Menschen ans Herz gelegt, die mich nach einer Buchempfehlung gefragt haben. "Die Brüder Karamasow" halte ich für Dostojewskijs genialsten Wurf, ist aber vielleicht nicht die beste Lektüre für den Einstieg.


Dostojewskij im Internet:

Christiaan Stange
Deutsche Dostojewskij-Gesellschaft
M. Jatmans Seite


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letzte Änderungen: 1.VI.2011


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