
Schon seit der Schulzeit verbringe ich viel Zeit mit ausgedehnten Radtouren. Bisher habe ich mehr als zwanzig Länder auf vier Kontinenten mit dem Rad bereist. Ich habe das Reisen per Rad als eine der besten Möglichkeiten kennengelernt, sich den Menschen fremder Länder zu nähern, ihre Kultur und vielleicht auch ihre Gedanken zu verstehen.
Auf meiner letzten Reise habe ich viel über den Sinn meiner Unternehmungen nachgedacht und habe überlegt, wie ich durch meine Reisen etwas erreichen, meine Kräfte für etwas Gutes und Sinnvolles einsetzen könnte. So kam mir der Gedanke, von Clausthal nach Casablanca zu radeln und mit dieser Reise Aufmerksamkeit zu erregen für ein Hilfsprojekt in der sogenannten "Dritten Welt" und auf die Möglichkeiten direkter Hilfe durch Übernahme von Patenschaften hinzuweisen.
Ich bin stark sehbehindert, habe aber das Glück, in einer Gesellschaft aufzuwachsen, die mir die gleichen Möglichkeiten gibt, die ein Normalsichtiger hat. Das ist in den wenigsten Ländern der Fall. So entschloß ich mich, für ein Projekt der Hildesheimer Blindenmission zu sammeln, die Schulen für blinde Kinder in Asien unterstützt und ausstattet.
Ziel meiner Unternehmung "Clausthal - Casablanca" ist es nun, vor, während und nach der Reise Spenden zu sammeln. Mit einer Spende helfen Sie den blinden Menschen, vor allem den Kindern, der Blindenheimschule "Yayasan Pendidikan Tunanetra Sumatera" in Medan auf Sumatera, Indonesien. Mit der Übernahme einer Patenschaft können Sie noch besser und direkter helfen. Sie ermöglichen damit einem Kind die Ausbildung, die es sonst nicht bekommen könnte und geben ihm so die Perspektive eines Lebens, in dem es sich selbst eine Zukunft erarbeiten kann. Die Patenschaft ist für die Dauer der Ausbildung gültig.
Ich selbst habe ein Patenkind durch die spanische Hilfsorganisation Ayuda en Acción (Hilfe durch Aktion), die auch in Frankreich (Aide et Action) und England (Actionaid) vertreten ist. So werde ich in Frankreich und Spanien für ein Projekt dieser Organisation in Nicaragua sammeln.
"Wenn Du einem hungernden Menschen einen Fisch gibst, so wird er einen Tag lang essen. Wenn Du ihm beibringst zu fischen, so wird er sein ganzes Leben lang essen."
Die Hildesheimer Blindenmission
Die Hildesheimer Blindenmission wurde vor mehr als hundert Jahren von Louise Cooper gegründet, es ist damit die erste Blindenmission in Deutschland. Lousie Cooper hatte in China und Hongkong erfahren, daß blindgeborene Mädchen oft vergiftet oder ausgesetzt wurden. Dieser Not sollte damals, wenigstens stellenweise, durch den Bau eines Waisenhauses begegnet werden.
Not und Elend blinder Menschen sind in Asien auch heute noch unvorstellbar groß. Vielfach stoßen Blinde - auch Kinder - auf unverbrämte Ablehnung, günstigstenfalls begegnet ihnen Gleichgültigkeit. Hinzu kommt, daß der Anteil blinder Menschen in der Bevölkerung aufgrund schlechter Ernährung, Hygiene und medizinischer Versorgung sehr viel höher ist als bei uns. Auf den Philippinen sind 2,7% der Bevölkerung blind.
Das Wissen, Freunde in Deutschland zu haben, hilft den blinden Schülern in Asien sehr, die großen Schwierigkeiten ihrer Ausbildung zu meistern. Es ist erstaunlich, was Blinde zu leisten vermögen, wenn sie im Vertrauen auf ihre Paten leben können und dadurch gefestigt werden. Ihre Leistungen werden ständig besser.
Oft sind die Entfernungen der Missionsschulen vom Elternhaus der Kinder sehr groß, doch das ist nicht das einzige Problem. Häufig stehen blinde Menschen außerhalb der Gesellschaft und werden nicht einmal von den eigenen Eltern akzeptiert. So haben viele junge Blinde eine Vergangenheit voller Verbitterung hinter sich.
Zum Glück läßt sich auch folgendes beobachten: Wenn Eltern erleben, wie gut sich die Begabungen ihrer blinden Kinder entwickeln, dann erfüllt sie das mit Verwunderung, Stolz und schließlich neuer Zuneigung. So gelingt vielen Blinden die Wiederaufnahme in Familie und Gesellschaft.
Es gibt noch eine ganz andere Schwierigkeit: Nicht selten sitzen die "Kleinen" und die "Großen" nebeneinander auf der Schulbank, weil die Einschulung nicht automatisch mit dem 7. Lebensjahr stattfindet. Es kann durchaus vorkommen, daß ein Kind erst mit 16 Jahren eingeschult wird. Auch diese Kinder brauchen Hilfe. Darum würde die Hildesheimer Blindenmission sich wünschen, daß sich nicht nur Paten für die "Kleinen", sondern auch für die "Grossen" finden lassen.
Durchschnittlich entstehen pro Kind und Monat 180 Mark an Kosten. Das ist ein geringer Betrag in Anbetracht des Aufwandes und Umfangs dieser Behindertenarbeit. Doch es ist ein zu hoher Beitrag für viele, die diesen wichtigen Missionsdienst gerne unterstützen möchten. Deshalb wird dieser Betrag gewöhnlich von mehreren Paten zusammen aufgebracht. So läßt sich zum Beispiel schon mit 40 Mark im Monat eine hilfreiche Partnerschaft durch Patenschaft entwickeln.
Indonesien
Das Land der 13.677 Inseln ist ein Vielvölkerstaat. "Einheit in der Vielfalt" ist heute das Motto der indonesischen Staatsphilosophie.
Der indonesische Archipel wurde schon seit Jahrtausenden von verschiedenen Hochkulturen beherrscht, als 1509 erstmals die Portugiesen auf Sumatera Fuß faßten und begannen, den Handel zu kontrollieren. Doch sie wurden schon bald von den Niederländern verdrängt. Die niederländische "Vereinigte Ostindien Kompanie" betrieb Schritt für Schritt die Kolonialisierung des Inselreiches, das dann für etwa 350 Jahre niederländische Kolonie blieb. Ziel der Kolonialmacht war natürlich zu keiner Zeit das Schaffen einer "modernen" Gesellschaft, sondern der vielversprechende Handel mit den Inselprodukten, vor allem den Gewürzen. Erst 1910 setzte die sogenannte ethnische Kolonialpolitik ein, die die sozioökonomische Situation der Einheimischen verbessern wollte. Eine schnell anwachsende Unabhängigkeitsbewegung entstand.
Im Jahre 1942 besetzten die Japaner den gesamten Archipel und beendeten damit faktisch die niederländische Kolonialzeit. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Vertreibung der Japaner versuchten die Niederländer, nach Indonesien zurückzukehren, aber sie konnten im erstarkten Reich nicht mehr Fuß fassen und gaben die Kämpfe schließlich 1949 auf. Politische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Konflikte bestimmten die Zukunft des jungen Staates, der nicht auf eine traditionell einheitliche Gesellschaft zurückgreifen konnte. Sogar eine gemeinsame Sprache mußte erst geschaffen werden, das Bahasa Indonesia.
In den sechziger Jahren kam es zum blutigen Bürgerkrieg zwischen linken und rechten Gruppen, Tausende von vermeindlichen Kommunisten wurden getötet. Seither regiert Präsident Suhartos "Neue Ordnung", die so gut wie keine Opposition zuläßt. Dafür ist der Staat im wirtschaftlichen Aufschwung begriffen und - mit Ausnahme des Kriesenherdes im besetzten Ost-Timor - friedlich.
Ich selbst habe Indonesien 1989 mit dem Fahrad bereist, und es ist eines meiner Lieblingsländer. Vier Monate verbrachte ich auf Sumatera, Java und Bali. Nach Erlernen einiger Brocken der Sprache lebte ich stets im Kreis von Familien und lernte so das Leben der Menschen dort ganz unverfälscht kennen.
Die Hildesheimer Blindenmission in Indonesien
Die Zahl der Blinden Indonesiens wird auf 1,5% der Bevölkerung geschätzt. Die Hildesheimer Blindenmission unterstützt zwei Schulen in Indonesien, eine in Surabaya auf Java, die andere in Medan auf Sumatera. Mit Hilfe der Hildesheimer Blindenmission konnte 1978 die Schule "Yayasan Pendidikan Tunanetra Sumatera" in Medan eingeweiht werden. 1988 wurde sie um ein landwirtschaftliches Ausbildungszentrum erweitert. Insgesamt wird ungefähr 70 Kindern und Jugendlichen Hilfe zur Selbsthilfe gewährt. 13 Lehrerinen und Lehrer und weitere 8 Angestellte versorgen die Schule. In der Schule bekommen die Blinden Ausbildung, Unterkunft, Kleidung und Essen.
Das von mir gesammelte Geld soll für den Erwerb von Blindenschreibmaschinen für die Schule in Medan verwendet werden. Durch die Umstellung vieler deutscher Blindenschulen auf Computer sind diese zur Zeit einschließlich Versand ausgesprochen günstig für nur je 250 Mark zu bekommen, statt 1500 Mark, die eine neue Maschine kostet. Mit den bisher verwendeten Schreibschablonen ist es Blinden so gut wie gar nicht möglich, sich auch nur Notizen zu machen. Mit einer Blindenschreibmaschine können sie aber bald etwa so schnell schreiben wie ein Sehender. Damit können sie also nicht nur Notizen leicht machen, es entsteht auf einmal die Möglichkeit, richtige Texte, ja sogar Bücher zu schreiben. Stellen sie sich vor, welche neuen Perspektiven ein solches Gerät einem blinden Menschen ermöglicht!

Spenden für Indonesien:
Hildesheimer Blindenmission e.V.
Kto#: 400 2695 - BLZ: 259 50001 - Stadtsparkasse Hildesheim
Stichwort: Casablanca
Bei Interesse an einer Patenschaft oder bei Fragen zu diesem Projekt schicken Sie bitte eine E-Mail.
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letzte Änderungen: 2.IX.2004